A. Diabetes   
1. Weshalb bin ich Zuckerkrank?

Diabetes ist eine Krankheit die jedes Kind bekommen kann. Man weiss nicht genau weshalb man krank wird aber es hat nichts mit der Ernährung und den Süssigkeiten zu tun.
Es ist weder deine Schuld noch die deiner Eltern.
Es ist nicht ansteckend.
Es ist eine Autoimmunkrankheit, das heisst dass mein Körper nach und nach alle Beta-Zellen meiner Bauchspeicheldrüse zerstört, so dass ich kein Insulin mehr produzieren kann.

2. Was ist Diabetes mellitus?
Es ist eine Krankheit in der man zuviel Zucker im Blut hat. Es ist nicht weil man zuviel Zucker gegessen hat, sondern weil die Bauchspeicheldrüse kein Insulin mehr produziert. Es ist eine Autoimmunkrankheit, bei der unser eigener Körper die Beta-Zellen zerstört.
Das Wort „mellitus“ kommt aus dem Lateinischen und heisst „honigsüss“.
Diabetes kommt aus dem Griechischen und heisst“ Durchfluss“.
Der type 1 Diabetes ist immer insulinpflichtig.
3. Was sind die Anzeichen von Diabetes?

-Müdigkeit
-Durst
-oft und viel zur Toilette gehen
-Gewichtsverlust
-Glukosurie, das bedeutet Zucker im Urin

4. Wie lange dauert meine Krankheit an?

Meine Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstören sich langsam, ohne dass ich es bemerke. Diese Phase heisst Pre-Diabetes. Wenn nur noch 15-20% von diesen Zellen übrig sind, werde ich anfangen mich nicht mehr wohl zu spüren.
Nachdem der Arzt mein Diabetes festgestellt hat, werde ich mit Insulin behandelt.
Während den ersten 1 bis 2 Jahren, werde ich nicht viel Insulin brauchen, weil meine Bauchspeicheldrüse wieder ein wenig Insulin produziert. Man nennt diese Phase Remissionsphase (honeymoon).
Nachher, wird meine Bauchspeicheldrüse nie mehr in meinem ganzen Leben Insulin herstellen.
Viele Forscher in der ganzen Welt arbeiten dran, um eine Heilung oder eine bessere Therapie für meine Krankheit zu finden.

5. Welche Rolle hat meine Bauchspeicheldrüse?

Die Bauchspeicheldrüse ist ein kleines Organ, das sich in der Mitte des Bauches befindet. Kleine Teile der Bauchspeicheldrüse, die Langerhansche Zellen heissen, produzieren mehrere Hormone, unnteranderem:
1.Insulin, das blutzuckersenkend ist
2.Glukagon, das blutzuckersteigend ist

 

6. Weshalb braucht mein Körper Zucker?
Zucker ist der nötiger Brennstoff, den meine Zellen im Körper benötigen. Es ist etwa so wie Benzin für das Auto.
B. Blutzucker   
1. Was bedeuten diese Zahlen auf meinem Messgerät?

Blutzuckerwert bedeutet die Menge Zucker im Blut.
Ich kann sie mit meinem Blutzuckermessgerät messen.
Die Menge wird in mg/ dl (oder in mmol/l)ausgedrückt.
Meine Werte sollen zwischen 80 und 180 mg/dl liegen.

2. Warum muss ich meinen Blutzucker messen?

Da mein Körper kein Insulin mehr produziert, steigt mein Blutzucker immer höher und hauptsächlich, wenn ich etwas esse, das Kohlenhydrate beinhaltet.
Ich messe mich also, um zu wissen wieviel Insulin ich brauche.

3. Was muss ich beim Blutzuckermessen messen beachten?
-Händewaschen, sonst können meine Werte verfälscht sein
-regelmässig die Nadel wechseln
-den Code der Teststreifen überprüfen
-Finger wärmen wenn es kalt ist sonst bekommt man nicht genug Blut
-Sich immer seitlich in den Finger einstechen, die Fingerkuppen sind zu schmerzempfindlicher
-Nicht in den Zeigefinger und in den Daumen stechen da man diese zuviel braucht
-den Finger immer wechseln
4. Weshalb muss ich immer meine Blutzuckerwerte aufschreiben?

Es ist sehr wichtig, dass ich oder meine Eltern jeden Tag meine Blutzuckerwerte und meine Insulindosis in mein Heftchen schreiben, sonst vergessen wir schnell. Es hilft uns zu verstehen, weshalb wir manchmal zu niedrig oder zu hoch sind. Ich soll auch noch dazuschreiben wann ich Sport mache und was ich esse. All das brauchen meine Eltern, um besser mit meinem Arzt die beste Insulindosis zu finden.

5. Wann soll ich meinen Blutzuckerwert messen?

-vor jeder Insulinspritze
-immer bevor man etwas essen möchte und Insulin braucht
-morgens beim Aufstehen
-abends beim Schlafengehen
-bevor man Sport macht
-wenn ich mich nicht wohlfühle

Weshalb gerade dann ?
- weil man die Insulindosis vor dem Essen bestimmen muss; diese hängt vom Blutzuckerspiegel ab und von dem was man isst
-damit man weiss, ob die Insulindosis für die Nacht ausreichend ist
-damit man zu hohe oder zu niedrige Werte verbessern kann
-damit man keinen Unterzucker während der Anstrengung riskiert

6. Was verändert meinen Blutzuckerwert?

-Essen
-Bewegung
-starke Emotionen (Glück oder Trauer)
-Krankheiten
-Wachstumshormon und Pubertät

7. Was ist HbA1c ?

Das Hämoglobin transportiert den Sauerstoff im Blut und bindet sich mit dem Blutzucker. Diese roten Blutkörper werden im Knochenmark produziert und haben eine Lebensdauer von 120 Tagen bevor sie in der Milz zerstört werden.
Sein Wert wird durch eine kleine Blutanalyse festgestellt und sagt aus ob die Blutzuckerwerte in den letzten 6-8 Wochen gut waren.
Werte zwischen 6 und 7,5 % sind gut.
Bei erhöhten HbA1c Werten, steigt das Risiko für Langzeitkomplikationen .

C. Hyperglykämie   
1. Was sind zu hohe Blutzuckerwerte?

Blutzuckerwerte über 180mg/dl sind zu hoch und man nennt sie Hyperglykämie.

2. Wie fühle ich mich bei einer Hyper?

Es ist zu viel Zucker im Blut.
-Durst
-oft zur Toilette gehen
-Müdigkeit
-Gewichtsverlust(bei Hyperglykämie über einen längeren Zeitraum)
-Kopfschmerzen
-Bauchweh
-Konzentrationsschwierigkeiten

3. Weshalb sind meine Blutzuckerwerte manchmal zu hoch?

-zuwenig Insulin
-zuviel Essen
-weniger Sport als vorgesehen
-Probleme beim Spritzen z.B. beim Gebrauch einer neuen Insulinflasche im Pen, Luft in der Nadel, zu kaltes Insulin
-abgeknickte Teflonnadel bei Pumpentherapie
-einspritzen in eine Fettverhärtung
-Verfalldatum des Insulins überschritten
-Krankheit(Husten, Fieber, Schnupfen...)
-Wachstumsphase, Pubertät
-Stress

4. Weshalb steigt mein Blutzucker während der Nacht und wenn ich nicht esse?
Während der Verdauung wird der Zucker mit Hilfe des Insulins in verschiedenen Stellen aufgenommen:

1. in die Zellen
2. in die Leber in Form von Glykogen(„Speicherzucker“)
3. in die Muskeln auch in Form von Glykogen

Nach der Verdauung, schüttet die Leber wieder das Glykogen in Form von Zucker ins Blut wo es dann weiter in die Muskeln geht. Deshalb brauchst du wiederum etwas Insulin.
Dein Blut ist also nur ein Übergangsort für den Zucker.
D. Hypoglykämie   
1. Was sind zu niedrige Blutzuckerwerte?
Blutzuckerwerte unter 60mg/dl sind zu niedrig und man nennt sie Hypoglykämie.
2. Wie fühle ich mich bei einer Hypo ?

Es ist nicht genug Zucker im Blut (under 70mg/dl)
Diese Symptome können einzeln auftreten und sind unterschiedlich von einem Kind zum anderen.
Wenn du eines von diesen Symptomen spürst, musst du dich sofort testen oder jemandem es mitteilen und dann schnell etwas essen.
-Schwitzen
-Schwindel
-Zittern
-Bauchweh
-Blässe im Gesicht
-Unruhe
-Müdigkeit
-Reizbarkeit
-Konzentrationsstörung
-Sehstörungen
-Hunger

Wenn dein Blutzuckerwert so tief fällt dass du Ohnmächtig wirst, wird dir jemand sofort eine Glukagonspritze geben damit du dich wieder besser fühlst.

3. Weshalb sind meine Blutzuckerwerte manchmal zu niedrig ?

- zuviel Insulin
- zuwenig Essen
- mehr Sport als vorgesehen
- Erbrechen, Durchfall
- Hitze, Sauna

4. Was soll ich bei einer Hypo machen ?

- sofort alle Anstrengung aufhören
- meinen Blutzucker messen
- Zucker zu mir nehmen (z.B.Traubenzucker)
sich nach einiger Zeit wieder messen

5. Wieviel und welchen Zucker soll ich bei einer Hypo nehmen ?

Ich soll 5 Gramm Zucker pro 20kg Körpergewicht nehmen

1 Stück Zucker = 5 Gramm

2 Dextro Energy =10 Gramm

100ml Orangensaft =10 Gramm

120 ml Apfelsaft =10 Gramm

Es ist sehr wichtig dass ich immer Zucker bei mir trage

6. Wann brauche ich eine Glukagonspritze ?
Wenn ich bewusstlos bin, muss man mir eine Glukagonspritze geben. Es soll nicht versucht werden um mir Zucker oder eine süsse Flüssigkeit in den Mund zu stecken, sonst besteht die Gefahr dass ich daran ersticke.

Ich besitze immer eine Notfallbox mit Glukagon, die im Kühlschrank aufbewahrt werden muss.
Darin liegt eine Spritze mit einer Flüssigkeit und eine kleine Flasche mit einem weissen Pulver. Man spritzt die Flüssigkeit in die Flasche mit dem Pulver, schüttelt das Ganze, und zieht die Flüssigkeit wieder in die Spritze zurück. Dann spritzt man in einer der Stellen wo man auch das Insulin spritzt.
In der Packung der Glukagonspritze liegt immer eine Zeichnung mit einer Beschreibung (bei weniger als 25 kg Körpergewicht nur die Hälfte spritzen)

E. Urinanalysen   
1. Weshalb soll ich Urin Analysen machen ?
Wenn ich hohe Blutzuckerwerte haben, kann ich damit Azeton im Urin aufspüren.
Ich weiss dann, dass meine Insulindosis zur Korrektur höher sein muss, als wenn ich eine Hyperglykämie ohne Azeton habe.
2. Wie mache ich eine Urinanalyse ?
Dazu gebrauche ich extra Teststreifen (Keto-Diabur, Ketur-Test, Ketostix) die ich kurz in den Urin tauche (den ich in einem Becher gesammelt habe).
Nach 30 Sekunden kann ich das Resultat an Hand den verschiedenen Farben erkennen ( blau- violett).
3. Weshalb habe ich Azeton im Urin ?

Es gibt 2 Möglichkeiten:


1.Es besteht ein Insulinmangel.
2.Es besteht ein Glukosemangel (wenn ich krank bin und nichts esse oder viel erbreche).

Die Zellen bekommen kein Glukose. Es fehlt also an Energie.
Der Körper baut dann Fett ab. Ein Teil wird als Energie gebraucht, und der Rest wird als Abfall in Form von Azeton im Urin ausgeschieden.

4. Was ist eine Ketoazidose ?
Wenn ein Insulinmangel oder ein Glukosemangel besteht, sucht der Körper die nötige Energie indem er Fett abbaut.
Es bilden sich Ketonsäuren im Blut. Das Blut wird sauer.
Man nennt es Ketoazidose.
5. Was sind die Anzeichen einer Ketoazidose ?
-entweder einen zu hohen oder zu niedrigen Blutzucker über längere Zeit
-Glukose im Urin
-Übelkeit und Erbrechen
-Bauchschmerzen
-ein säuerlicher Atem
6. Was soll ich tun wenn ich Azeton im Urin habe ?

-Wenn mein Zucker zu hoch ist, muss ich mir mehr Korrekturinsulin spritzen als bei einer Hyper ohne Azeton. Dazu soll ich als noch viel Wasser trinken um das Azeton besser auszuscheiden;

-Wenn ich im Unterzucker bin, muss ich Glukose und eine kleine Mahlzeit essen.

7. Weshalb kann ich morgens Azeton im Urin haben ?

Es gibt 2 Möglichkeiten:

-Entweder hatte ich zunächst einen Unterzucker in der frühen Nacht wonach ich als Gegenreaktion einen Überzucker morgens mache

-Oder mein Blutzucker war die ganze Nacht zu hoch.

F. Insulin   
1. Insulin : was ist das ?

Es ist ein Hormon das automatisch von der Bauchspeicheldrüse produziert wird wenn sich Zucker im Blut befindet.
In der Therapie gebraucht man Insulin das im Laboratorium hergestellt wird, aber identisch ist mit dem menschlichen Insulin . Man nennt es Humaninsulin.
Analoginsulin bedeutet dass es verändert wurde um eine schnellere oder langsamere Wirkung zu erhalten.
Insulin kann nicht wie eine Pille geschluckt werden da es von der Magensäure zerstört wird. Deshalb muss das Insulin unter die Haut ins Fettgewebe gespritzt werden, von wo es ins Blut gelangt.

2. Rolle des Insulins

Wenn du Zucker oder Nahrung die während der Verdauung zu Zucker verwandelt wird ( wie zum Beispiel Brot, Nudeln, Reis.....) isst, produziert deine Bauchspeicheldrüse sofort Insulin.
Ausserhalb der Mahlzeiten und während der Nacht produziert dein Körper auch ein wenig Insulin.
Er ermöglicht dem Zucker vom Blut in die Zellen zu gelangen (wie ein Schlüssel)um ihnen Brennstoff zu geben.
Ohne Insulin leiden die Zellen an Energiemangel.

3. Wo bewahre ich das Insulin auf ?

- das Insulin auf Zimmertemperatur muss innerhalb von 4-6 Wochen aufgebraucht werden
- die Insulinreserven müssen im Kühlschrank aufbewahrt werden
- das Insulin darf nicht in der prallen Sonne liegen
- im Winter muss ich aufpassen, dass das Insulin nicht friert
deshalb mache ich es nicht in die Aussentasche meiner Jacke
-ich muss immer das Verfalldatum beachten
-lichtgeschützt (Deckel vom Pen)

4. Wohin kann ich mein Insulin spritzen ?

Ich kann zwischen verschiedenen Körperteilen wählen :
-in den Bauch
-in das Gesäss
-in den Oberschenkel

5. Haben alle Insuline die selbe Wirkung ?

Nein, es gibt 3 verschiedene Sorten Insulin:

 

1.Sehr schnelle Analoginsuline : Novorapid (Novo Nordisk)
Humalog (Eli Lilly)

Anfang der Wirkung: nach 10 Minuten
Stärkste Wirkung: nach 1 Stunde
Ende der Wirkung: nach 3 Stunden

Klare Flüssigkeit
Zum Korrigieren bei zu hohen Blutzuckerwerten, soll ich immer ein Analoginsulin gebrauchen.
2.Schnelle Normalinsuline : Actrapid (Novo nordisk)
Humuline Regular (Eli Lilly)

Anfang der Wirkung: nach ½ Stunde
Stärkste Wirkung: nach 3 Stunden
Ende der Wirkung: nach 6 Stunden

Klare Flüssigkeit

6. Wo und wann wird das Insulin schneller ins Blut aufgenommen ?

-im Bauch
-bei heissen Sommertagen
-während dem Sport

Ich muss sehr gut aufpassen, dass ich nicht immer in die selbe Stelle spritze, sonst bekomme ich kleine Fettbeulen. Dort wird das Insulin dann nicht mehr gut absorbiert.

7. Wie soll ich wissen wie viel Insulin ich brauche ?

Die Insulinmenge hängt von verschiedenen Faktoren ab:

-von meinem Blutzucker
-von der Menge der Mahlzeit, das heisst von der Menge an Kohlenhydraten die sich im Essen befinden
-vom Zeitpunkt des Tages, da ich mehr Insulin für die selbe Menge an Kohlenhydraten am Morgen und am Abend brauche als am Mittag
-von der körperlichen Anstrengung (Sport) vor oder nach dem Essen
-von der Therapieart, entweder durch Spritzen oder Insulinpumpe
-von der Insulinsorte
-von meinem Gesundheitszustand
-von meinem Gewicht (der durchschnittliche Insulinbedarf liegt bei ca. O,8-1,2 IE Insulin/kg Körpergewicht und Tag)

8. Welche Therapie ist für mich die Beste ?

Mein Arzt wird mit meinen Eltern und mir die beste Therapie zwischen mehreren Sorten auswählen.
-2 Spritzen am Tag: morgens 1 schnelles und ein Verzögerungsinsulin
abends „ „
-3-4 Spritzen am Tag: morgens ein schnelles und eventuell ein Verzögerungsinsulin
mittags ein schnelles Insulin
abends ein schnelles und ein Verzögerungsinsulin
-Pumpentherapie: Basalinsulin und Bolus (schnelles Insulin für jede Mahlzeit)

Die Therapie soll meinen bisherigen Lebensgewohnheiten so gut wie möglich angepasst werden.